Letzter Tag in Vilnius

Toll, und jetzt, wo ich morgen nach Warszawa trampen will, fängt es wie blöd an zu regnen.

Dafür war der gestrige Abend erstens ganz anders und zweitens viel besser, als gedacht. Auf Lukas Balkon, ohne Lukas dafür mit seiner Exfreundin. Einige Zigaretten, unendlich viel Gespräch und dann noch die dreistündige Filmfassung von „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“. Zwar waren mir so ziemlich alle Schauspieler zuwider, trotzdem hat es großen Spaß gemacht. Der Schlaf wurde dann auch nur erstaunlich wenig von Amok-Katze und Darling Nina gestört, dafür sieht heute meine rechte Hand aus, als ob ich jahrelang Freundschaftsbändchen aus Natodraht getragen habe.

Das „Milky Lasers“-Konzert war ganz nett. Bühne aus den DDR-70ern, der Programmierer an einem faden Schreibtisch und gelangweilt, die Sängerin aber klasse. Ich wurde derweil halblitern mit Vodka-O abgefüllt, schoss eine Milliarde Bilder vom Bühnenbild und suchte Anschluss mit diversen Leuten, die dann aber alle aufgaben. Oder gab ich auf? Keine Ahnung.

Auf dem Nachhauseweg durch die Republik Uzupi (deren religiöser Anführer, wie er sich selbst bezeichnete, mir zuvor in einem netten Cafe begegnet ist) trage ich paranoid mein Skalpell mit mir spazieren. Zum Glück sehen die drei Engländer nicht, mit wem sie es zu tun haben, als sie mich baten, ein Bild von ihnen zu machen.

Ich schäme mich noch immer für das Skalpell.