Eigentlich wollte ich ja nur die Gitarre, die im Spar für 20 Euro („mit Stahlsaiten“) ausgeschrieben war kaufen. Anruf dann von der Stimme, ein Uhr mittags, gleich um die Ecke, Bier soll ich mir selber mitbringen, gibt nur noch Wein. Um zwei bin ich längst hoffnungslos betrunken, der Ex-Fremdenlegionär, Ex-Seemann, Ex-Polizist und Ex-Pufftürsteher fummelt vergeblich mit dem Messer, an der Decke sind Blutspritzer („war Kaffee, das letzte, was von meiner Frau übrig ist“), auf dem Tisch Schrot– und Pistolenmunition – die Wohnung ist sauber aber stinkt nach altem Mann, weil alter Mann nie raus geht („habe keine Kontakte mehr, höre schon Stimmen“). Als er sich umdreht, um Johnny Cash einzulegen, ruft er mir nuschelnd zu, ich soll ihm bloß nicht in den Rücken fallen – aber von ihm könne ich eh noch einiges lernen. Um drei, nachdem eine Freundin von ihm mit blutendem Ohr und aufgeschwollener Lippe einen Staubsauger abholen wollte, torkel ich endlich heim. In meinen Händen eine wohl 50 Jahre alte Gitarre in schwarz, die angeblich auch schon Udo Lindenberg in den Händen hielt, ein importiertes Computerspiel (keine Ahnung, wie der daran kam) und drei scharfe Pistolenkugeln (keine Ahnung, was ich jetzt damit machen soll). Und heute war ich auf dem wahnsinnigen Flaming-Lips-Konzert. Oh, so gut! Flutlicht, Konfetti, riesige Ballons, links Aliens, rechts Weihnachtsmänner mit Flakscheinwerfer-Taschenlampen und sonst große, kindliche Freude. Hach…